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Liebe Mitübersetzer,

mich würde eure Meinung zu zwei Dingen interessieren – einer spezifischen Review und dem aktuellen Zustand der Review-Qualität allgemein.

Gestern wurden bei einer meiner Übersetzungen zwei Fehler gefunden. Da ich beide Fehler auch nach Einsicht des Feedbacks nicht hinnehmen wollte, beschloss ich, um eine erneute Überprüfung zu bitten. Der erste Fehler wurde daraufhin in eine Suggestion umgewandelt, am zweiten Fehler jedoch festgehalten. Um diesen zweiten Fehler soll es hier zunächst gehen:

Originaltext:

„... that when you're losing it, you just need to relax!“

Meine Übersetzung:

„... dass du dich einfach entspannen musst, wenn du durchdrehst!

In der ursprünglichen Review wurde „wenn du durchdrehst“ als „Wrong Term“-Fehler markiert, da „durchdrehen“ ein zu starker Ausdruck sei. Stattdessen wurde „... wenn es dir zuviel wird!“ (übrigens falsch geschrieben) vorgeschlagen. In der Re-Review-Anfrage entgegnete ich, dass „to lose it“ im Englischen nun einmal ein starker Ausdruck sei, was auch andere mögliche Übersetzungen des Begriffes zeigen: „ausflippen“, „ausrasten“ „austicken“ usw. 

Zudem wies ich darauf hin, dass „durchdrehen“ nicht unbedingt bedeutet, dass man physisch ausrastet, sondern man auch einfach mental durchdrehen bzw. „verrückt werden“ kann („Ich glaub, ich dreh durch!“), was dem Ausdruck meiner Ansicht nach doch einiges an „Stärke“ nimmt.

Daraufhin antwortete der zweite LS in der Re-Review Folgendes:

„Obwohl die Übersetzung im zweiten Fall nicht falsch ist, so ist sie dennoch semantisch gesehen zu stark. Denn wenn man durchdreht, ist der Punkt, wo Entspannen noch nützen könnte, überschritten.“

Auch diese Argumentation finde ich wenig überzeugend, da „to lose it“, wie bereits erwähnt, im Englischen ein genauso starker Ausdruck ist, den ich nur wiedergegeben habe. Zudem: Wieso sollte Entspannen nichts nützen, wenn man (mental) durchdreht? Das ist für mich kein schlüssiges Gegenargument.

Wie seht ihr das? Bin ich hier einfach nur zu stur, einen offensichtlichen Fehler zu akzeptieren, oder hätte in diesem Fall auch eine Suggestion gereicht? Freue mich auf eure Meinungen.

 

Zweiter Punkt:

Seit ich vor ca. zwei Jahren hier angefangen habe, war ich mit den Reviews und den gefundenen Fehlern eigentlich immer einverstanden. Dies ist seit einigen Monaten jedoch nicht mehr der Fall. Ich habe in letzter Zeit bei gut der Hälfte der Reviews, die mit einer Bewertung von unter 10 zurückkamen, eine erneute Prüfung verlangen müssen – teilweise aufgrund extrem pingeliger, subjektiver Beanstandungen, teilweise aufgrund ganz offensichtlicher Fehler in der Review (da wurden eindeutige Wiederholungsfehler mehrfach gewertet, die Übernahme des „&“-Symbols in Eigennamen moniert und viele weitere Dinge fälschlicherweise angekreidet). Positiv sei gesagt, dass meinen Einwänden (mit Ausnahme des oben beschriebenen Falls) in den Re-Reviews bisher auch immer stattgegeben wurde. Dennoch drängt sich mir der Eindruck auf, dass es zumindest einen LS gibt, dem es in erster Linie darum zu gehen scheint, auf Teufel komm raus so viele „Fehler“ wie nur irgend möglich zu finden.

Hätte ich die Reviews in letzter Zeit nicht stets gründlich geprüft, wäre mein GoCheck-Score heute wohl um einige Nachkommastellen tiefer, was ich schon beunruhigend finde.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder seid ihr mit den Reviews nach wie vor immer einer Meinung?

LG

Leo

4 comments

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    Leo

    Gut, wenn gleich zwei Spezialisten sagen, dass hier ein Fehler vorliegt, dann sollte man meinen, dass dem auch so ist. Von daher kann es natürlich schon sein, dass ich hier zu stur bin. Ich denke jedoch nach wie vor, dass eine Suggestion ausgereicht hätte. Generell ist mir aufgefallen, dass es nur äußerst selten Suggestions gibt – ich habe bisher glaube ich überhaupt erst ein- oder zweimal eine erhalten, obwohl es viele Fälle gibt, wo eben kein eindeutiger Fehler vorliegt und eine Suggestion somit angebracht wäre. Das scheinen die LS allerdings anders zu sehen.

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    Chris

    "Durchdrehen" empfinde ich ehrlich gesagt auch als zu stark, kenne aber natürlich den genauen Kontext nicht (falls gegeben). Letztendlich muss die Intension der ursprünglichen Aussage auf Deutsch passend wiedergegeben werden und da besteht auf jeden Fall ein Unterschied zwischen den beiden Versionen.

     

    Der erwähnte temporale Aspekt spielt aber auch eine wichtige Rolle.

     

    Verschiedene Definitionen:

    If someone loses it, they become extremely angry or upset.
    [informal]
    I completely lost it. I went mad, berserk.

    If you say that someone is losing it, you mean that they are becoming crazy.
    [informal]
    I'm afraid he's really lost it.

    to stop being able to control your emotions and suddenly start to shout, cry, or laugh:
    I'd been trying so hard to stay calm but in the end I just lost it.

     

    Hier wird überall zwischen dem Vorgang/Ereignis und dem Ergebnis unterschieden.
    Jetzt könnte man argumentieren, dass der Fall bei "durchdrehen" ähnlich liegt:

    "Er hat/ist durchgedreht." 
    "Ich glaub, ich dreh durch!" (Im Sinne von "Ich glaub, ich spinne!" auf die Gegenwart, ggf. aber auch auf die Zukunft gerichtet.)
    "Ich dreh hier noch durch!" (Definitiv auf die Zukunft gerichtet.)

    "Durchdrehen" ("wenn du durchdrehst") ohne Ergänzung kann im Grunde auf das Überschnappen oder den Zustand danach bezogen sein (auch im eigentlichen Sinn: Die Räder drehen durch), während "losing it" den Vorgang selbst bezeichnet, der grammatikalisch und vom vermuteten Sinn her auch länger anhalten kann und im Ergebnis "He's lost it." mündet. Eine eindeutige Variante wäre: When you're about to lose it. Es gibt also eine kleine Überschneidung am "breaking point", aber "losing it" spielt eher davor und "durchdrehen" eher danach. Im Deutschen müsste man den Begriff entsprechend ergänzen, um eine ähnliche Bedeutung zu erhalten: "Ich dreh hier so langsam durch!" 

    "Wenn dir alles zu viel wird" ist hier meiner Meinung nach also zumindest temporal gesehen die genauere Übersetzung und ohne Kontext scheint mir "durchdrehen" auch vom Sinn her eher fehl am Platz.

    Hast du dafür einen ganzen oder einen halben Fehler bekommen? Die "major" Fehler tun schon weh, aber die "minor" wirken sich gefühlt kaum aus und ich würde mir auch generell keinen großen Kopf um die Reviews machen, solange sich die Bewertungen im grünen Bereich bewegen und alle im selben Sprachenpaar gleich behandelt werden. Persönlich hab ich in letzter Zeit keinen Unterschied bei den Bewertungen bemerkt, aber das muss natürlich nichts heißen. 

    Edited by Chris
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    Leo

    Hi Chris,

    besten Dank für deinen Beitrag, sehr aufschlussreich. Das war ein minor Fehler, insgesamt wurde der Job (nach Herabsetzung des ersten Fehlers auf eine Suggestion) immer noch mit einer 9,62 bewertet, keine Katastrophe also. Darum ging es mir auch gar nicht, da ich mir durchaus bewusst bin, dass das hier ein Grenzfall ist. Mich hat einfach nur interessiert, wie andere das sehen.

    Der Unmut, den ich im zweiten Teil ausgedrückt habe, hatte damit jetzt auch nicht direkt etwas zu tun, sondern bezog sich auf Reviews, bei denen ganz offensichtliche Fehler (wie im ersten Beitrag beschrieben) in der Bewertung gemacht wurden, die dann auch anstandslos vom zweiten Reviewer korrigiert wurden. Wenn man jede zweite Review, bei der Fehler gefunden wurden, wieder zurückschicken muss, hinterlässt das einfach einen etwas komischen Beigeschmack. Aber wenn das bei anderen nicht der Fall ist, war das hoffentlich nur Zufall.

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    Chris

    Kann schon sein, dass da jemand Neues im Team ist. Heike hatte ja Ähnliches geschrieben.

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